Technologie als „vierte Partei“

Technologie wird im Bereich der Online Dispute Resolution oft als „vierte Partei“ bezeichnet (vgl. nur E. Katsh und J. Rifkin: „Online Dispute Resolution – Resolving Conflicts in  Cyberspace, Jossey-Bass, San Francisco 2001, S. 93 ff.). Denn an einer Streitbeilegung sind die beiden sich streitenden Parteien und der Neutrale als Dritter beteiligt – die Technologie ist dann die vierte Partei.

Redet man über Technologie als vierte Partei wird dabei insbesondere an automatisierte, die Verhandlungsführung unterstützende Verfahrenssoftware gedacht.

Ein Beispiel für eine solche Software sind intelligente Kommunikationsprogramme, bei denen in übersichtlicher Form alle Verfahrensschritte dargestellt und Streitbeilegungsmöglichkeiten durch die Software vorgeschlagen und die dann ausgewählte Möglichkeit der anderen Partei zugestellt wird (sog. „assisted negotiations“). Die Erfolgsrate dieser unterstützten Streitbeilegung liegt – je nach Anbieter und Art der Streitigkeit – bei 60-80% (vgl. Kaufmann-Kohler/Schultz, Online Dispute Resolution – Challenges for Contemporary Justice, Kluwer Law International, Den Haag 2004, S. 16).

Ein viel weiter führendes Beispiel einer Softwarelösung ist das „Blind-Bidding-Verfahren“, das auch als „automated negotiations“ bezeichnet wird. Bei diesem Verfahren werden die beteiligten Parteien aufgefordert werden, einen Geldbetrag zu benennen, zu dem sie den Streit beilegen würden. Nähern sich die angegebenen Beträge bis zu einem gewissen Grenzwert (je nach Anbieter entweder ein gewisser Prozentsatz oder ein fixer Geldbetrag) an, wird von der Software ein Geldbetrag in der Mitte festgelegt. Wird die Schwelle nicht erreicht, werden die Parteien aufgefordert, die von ihnen genannten Beträge zu überdenken und neue Beträge zur Streitbeilegung zu nennen. Regelmäßig werden 3 Verhandlungsrunden durchgeführt. Die Erfolgsrate dieser automatisierten Streitbeilegung liegt allerdings lediglich bei 40% (vgl. Kaufmann-Kohler/Schultz, Online Dispute Resolution – Challenges for Contemporary Justice, Kluwer Law International, Den Haag 2004, S. 20).

ODR-Buch: „Online Dispute Resolution: Theory and Practice – A Treatise on Technology and Dispute Resolution“

Das 2011 im eleven-Verlag veröffentlichte ODR-Buch „Online Dispute Resolution: Theory and Practice – A Treatise on Technology and Dispute Resolution“ findet sich in Gänze zum kostenfreien Abruf unter: http://www.ombuds.org/odrbook/Table_of_Contents.htm

In diesem Sammelband werden von führenden Experten der Online Dispute Resolution schlaglichtartig verschiedene Problem- und Zukunftsfelder der ODR beleuchtet.

Hier eine kleine Auswahl der  interessanten Beiträge:

Ethan Katsh: ODR: A Look at History – A Few Thoughts About the Present and Some Speculation About the Future

Orna Rabinovich-Einy and Ethan Katsh: Lessons from Online Dispute Resolution for Dispute Systems Design

Vikki Rogers: Knitting the Security Blanket for New Market Opportunities – Establishing a Global Online Dispute Resolution System for Cross-Border Online Transactions for the Sale of Goods

Pablo Cortés: Online Dispute Resolution for Consumers – Online Dispute Resolution Methods for Settling Business to Consumer Conflicts

Colin Rule and Harpreet Singh: ODR and Online Reputation Systems – Maintaining Trust and Accuracy Through Effective Redress

Daniel Rainey: ODR and Culture

Mohamed S. Abdel Wahab: ODR and e-Abritation – Trends & Challenges