Richard Susskind sagt in “Tomorrow’s Lawyers” den Durchbruch der ODR voraus

In seinem neuesten Buch Tomorrow’s Lawyers analysiert Richard Susskind den durch Technologie verursachten Wandel der auf die rechtsberatenden Berufe und unser Rechtssystem als Ganzes zukommt. Ein Wandel, der in den nächsten zwei Jahrzehnten stärker ausfallen werde als in den letzten zwei Jahrhunderten.

Der britische Rechtsberater und Professor versucht – so wie schon in seinen vorherigen Büchern: Transforming the Law (2000), The End of Lawyers? (2008) – die Trends und Veränderungen für den rechtlichen Arbeitsmarkt vorherzusagen. Damit widmet er sich in seinem neunten Kapitel dem Thema des Zugangs zum Recht und Online-Rechtsdienstleistungen zu. Susskind konstatiert unter Rückgriff auf Lord Woolf’s Arbeiten Access to Justice ein erhebliches Defizit in der Justizgewährung für breite Bevölkerungsschichten. Die traditionelle Sichtweise, die sich bei dem Thema der Justizgewährung auf die Frage der Art und Weise der Streitbeilegung beschränkt, hält Susskind allerdings für zu eng – vielmehr sei zudem über Streiteindämmung, Streitvermeidung und eine Verbreitung der allgemeinen „Rechtsgesundheit“ (im Englischen: dispute containment, dispute avoidance and legal health promotion) zu reden. Diese so verstandene Justizgewährung setze nicht zuletzt aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen Online-Rechtsdienstleistungen voraus. Damit spannt Susskind, der seit 1998 IT-Berater des britischen Lord Chief Justice ist, den Bogen zu dem folgenden zehnten Kapitel, das mit „Judges, IT, Virtual Courts and ODR“ überschrieben ist. Der Online Dispute Resolution, also der Streitbeilegung unter Zuhilfenahme informationstechnischer Systeme, wird im Folgenden das Potential zugeschrieben, die althergebrachte Rolle der rechtsprechenden Gewalt in Frage zu stellen. Vor dem Hintergrund von noch immer relativ teuren Gerichtsverfahren und den stets knapp bemessenen Mitteln der Prozesskostenhilfe sieht Susskind ein großes Bedürfnis für diese neue und kostengünstigere Methode der außergerichtlichen Streitbeilegung, um Rechtsgewährung nicht nur für wirtschaftlich Bessergestellte zu garantieren. Verbunden sei dies mit der Frage, ob „Rechtsprechung/das Gericht“ ein Ort oder eine Dienstleistung ist. Online Dispute Resolution – da ist sich Susskind sicher – wird langfristig die vorherrschende Art der Streitbeilegung sein. Nur noch Streitfälle von hoher Komplexität oder außergewöhnlichem Streitwert würden auf traditionelle Art und Weise erledigt.

Mehr über Richard Susskind: http://www.susskind.com